
Facetten leben – zwischen Ausdruck und Wandel
danach
Die närrische Zeit ist vorbei. Die Kostüme sind verstaut, die Farben leiser geworden. Und doch wirkt etwas nach.
Ich denke zurück an den Karneval – an das Spiel mit Identität, an diese besondere Leichtigkeit, andere Seiten von sich sichtbar werden zu lassen. Für einen Moment schien alles möglich: bunt, offen, vielstimmig.
Und vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das noch ein wenig bleibt, auch wenn das Außen längst wieder ruhiger geworden ist.
weniger
Fast unmerklich verändert sich dann die Richtung.
Mit der Fastenzeit kommt eine andere Qualität in diese Zeit. Die Bewegung zieht sich zurück – weg vom Außen, hin zum Inneren.
Es wird ruhiger. Klarer. Reduzierter.
Nicht im Sinne von Verzicht, sondern eher wie ein Raum, der sich öffnet. Ein Raum, in dem sich zeigt, was bleibt, wenn es leiser wird. Was trägt, wenn nichts mehr überdeckt.
leise
Während sich innen etwas sortiert, beginnt auch draußen etwas Neues.

Mit dem Frühlingsanfang zeigt sich ein leises Neuwerden. Ganz ohne große Geste. Knospen öffnen sich, Farben kehren zurück, und das Leben findet seinen Weg – fast selbstverständlich.
Vielleicht geschieht Wandel genau so: unaufgeregt und still, und gerade darin kraftvoll.
dazwischen
Ich spüre, wie sich auch in mir etwas zwischen diesen Polen bewegt – zwischen dem Wunsch, mich auszudrücken, und dem Bedürfnis, still zu werden.
Zwischen Sichtbarkeit und Rückzug. Zwischen Fülle und Klarheit.
Mich interessiert dabei immer mehr dieses Dazwischen. Nicht das Eindeutige, nicht das Festgelegte – sondern das, was sich verändert, was in Bewegung bleibt.

im Entstehen
Auch in meiner Kunst taucht genau dieser Raum immer wieder auf.
Ich arbeite weniger darauf hin, etwas festzulegen, sondern lasse Dinge entstehen. Linien überlagern sich, Formen bleiben offen, Spuren dürfen stehen bleiben.
Manches wirkt klar, anderes entzieht sich wieder. Und vielleicht liegt genau darin eine Form von Wahrheit: dass nicht alles entschieden sein muss, dass Verschiedenes gleichzeitig bestehen darf.

Wandel zeigt sich hier nicht als Ergebnis, sondern als Prozess.
Hinwendung
Vielleicht ist Wandel überhaupt kein Ziel, sondern eher ein Zustand. Etwas, das nicht laut ist – aber spürbar.
Und vielleicht ist genau diese Zeit zwischen Karneval und Ostern eine Einladung, nicht mehr werden zu müssen, sondern wahrzunehmen, was sich zeigt.
Und dem Raum zu geben.
Was ist in dieser Zeit bei dir sichtbar geworden?
Vielleicht ein Gedanke, der immer wiederkehrt.
Ein Gefühl, das mehr Raum einnimmt als sonst.
Eine Facette von dir, die sich zeigen möchte – leise oder deutlich.
Vielleicht etwas, das du loslassen möchtest.
Oder etwas, das bleiben darf.
Wenn du magst, beschreibe genau diesen einen Moment, diese eine Wahrnehmung.
Ohne es einzuordnen. Einfach so, wie es gerade da ist.
Ich freue mich, wenn du deine Gedanken mit mir teilst.
