
Ankommen im neuen Jahr – zwischen Alltag und Ausnahmezustand
Was Menschen mit Karneval verbinden, die ihn lieben
Warum andere Karneval strikt ablehnen
Wie lässt sich all das nun in Bildern ausdrücken?
Und genau dort finde ich mich wieder
Mitte Februar. Das Jahr ist nicht mehr neu, eher schon mittendrin. Die guten Vorsätze sind leiser geworden, der Alltag hat Fahrt aufgenommen – und plötzlich kündigt sich die 5. Jahreszeit an: Karneval.
Ein Thema, das kaum jemanden kaltlässt. Man liebt ihn. Oder man meidet ihn. Und manchmal ist man irgendwo dazwischen.
Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Was Menschen mit Karneval verbinden, die ihn lieben
Für viele ist Karneval mehr als Feiern.
Er ist Rollenwechsel – für einen Moment jemand anderes sein dürfen.
Er ist Leichtigkeit – laut lachen, tanzen, aus der Reihe fallen.
Er ist Gemeinschaft – Teil von etwas Größerem sein.
Er ist Tradition, Erinnerung, Vertrautheit.
Und er ist Ausdruck – Farben, Kostüme, Masken, Schminke als eigene Sprache.
Karneval erlaubt etwas, das im Alltag oft zu kurz kommt: sichtbar anders sein, ohne sich erklären zu müssen.
Vielleicht zeigt sich diese Leichtigkeit auch ganz unmittelbar – in Figuren, die mit einem Augenzwinkern in ihre Rolle schlüpfen.

Drei Gesichter. Drei Haltungen. Drei Stimmungen.
Und doch gehören sie zusammen. Unterschiedlich – und gleichzeitig verbunden.
Vielleicht liegt genau darin ein Teil des Zaubers.
Warum andere Karneval strikt ablehnen
Und dann gibt es das andere Lager – genauso nachvollziehbar:
• Reizüberflutung – Lärm, Enge, Lautstärke
• Verlust von Kontrolle – Alkohol, Grenzüberschreitungen
• Zwang zur Fröhlichkeit – „Man muss doch Spaß haben“
Für viele ist Karneval kein Befreiungsraum, sondern ein Zuviel.
Kein Ausdruck von Freiheit, sondern ein Gefühl von Überforderung.
Auch das gehört dazu - Auch das ist echt. Und genau hier beginnt es spannend zu werden.
Wie lässt sich all das nun in Bildern ausdrücken?
Vielleicht, indem Gegensätze nebeneinanderstehen dürfen. Indem kräftige, leuchtende Farben auf stille, reduzierte Flächen treffen.
Indem Bewegung entsteht – durch Linien, die tanzen – und gleichzeitig Räume bleiben, die atmen.
Mich reizt der Gedanke, Spannung im Bild zu halten, ohne sie sofort aufzulösen.
Ein Nebeneinander von laut und leise. Von Fülle und Klarheit.
In manchen Arbeiten wird dieser Wandel fast körperlich spürbar. Linien überlagern sich, Gesichter verschmelzen, Formen bleiben bewusst offen.

Auch Masken und Rollen müssen dabei nicht plakativ oder schrill erscheinen. Vielleicht zeigen sie sich nur angedeutet – in fragmentierten Gesichtern, in Figuren, die nicht eindeutig festgelegt sind, in Schichten, die sich überlagern und unterschiedliche Facetten sichtbar machen.
Es geht nicht um Verkleidung im oberflächlichen Sinn, sondern um Transformation. Um das Sichtbarwerden von etwas, das ohnehin da ist.
Manchmal wird eine Rolle ganz still. Wie bei diesem Clown – reduziert auf Schwarz, Weiß und einen einzigen roten Akzent. Das Lächeln ist da. Und doch bleibt Raum für das, was dahinter liegt. Vielleicht ist genau das das Spannende an Rollen: Sie zeigen etwas – und lassen zugleich Tiefe erahnen.

Und genau dort finde ich mich wieder.
Ich liebe Karneval.
Ich verkleide mich gern und schlüpfe mit Freude in andere Rollen.
Für mich geht es dabei nicht ums Verstecken, sondern ums Erweitern.
Darum, weitere Facetten von mir sichtbar werden zu lassen.
Vielleicht ist die 5. Jahreszeit deshalb für mich mehr als ein Fest. Sie erinnert mich daran, dass ich nicht nur eine Seite bin. Dass ich mich zeigen darf – vielschichtig, wandelbar, manchmal laut, manchmal leise.
Und genau das möchte ich auch in meiner Kunst leben:
Facetten zulassen. Gegensätze stehen lassen. Wandel sichtbar machen – ohne ihn erklären zu müssen.
Vielleicht ist diese Zeit eine Einladung – nicht nur für mich - sich zu fragen:
Wo darf ich mich zeigen?
Wo darf ich mich ausprobieren?
Und welche Facette möchte gerade sichtbar werden?
Ich freue mich, wenn du mich auf diesem Weg begleitest – durch diese närrische Zeit und darüber hinaus.
Vielleicht magst du mir erzählen: Liebst du Karneval – oder meidest du ihn? Und was bedeutet er für dich?
